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Das Russen-Mädchen

Das Russen-Mädchen

Nadja hieß das schöne Mädchen

aus dem kalten Russen-Land

saß nur gram am Spinnenrädchen

Blut quoll oft aus zarter Hand.
 

Siebzehn Jahr` und voll der Blüte

ziert Verzweiflung ihr Gesicht

nicht mit Gnade, nicht mit Güte

zollt das Leben ihr Verzicht.


Undankbar sei diese Welt

denkt sich Nadja oft beim Spinnen

kann mit meinem bißchen Geld

nie mein Leben neu beginnen.
 

Träumend sucht sie in Gedanken

diesen Ort des wahren Lebens

fest verschlossen sind die Schranken

eine Tür sucht sie vergebens.
 

Tanzen will ich, möchte schweben

laß die Freiheit in mir blühen

warum soll mein junges Leben

leiden unter all den Mühen?
 

Zwischen Hoffnung, Frust und Glauben

schlägt das Herz in Nadjas Brust

bringt der Griff nach hohen Trauben

wirklich die ersehnte Lust.
 

Schon eilt her ein kühner Knabe

singt sich in ihr Herz hinein

überhäuft mit güldener Gabe

läßt sie Spinnrad Spinnrad sein.
 

Folge mir doch in den Westen

fleht der Knabe fast auf Knien

es ist nur zu deinem Besten

wenn an einem Strang wir zieh'n.
 

Völlig blind, die Not vor Augen

liefert Nadja sich ihm aus

ohne auch zum Tanz zu taugen

kommt sie in ein großes Haus.
 

Wahr geworden ist ihr Traum

Nadja hat erreicht ihr Ziel

rotes Licht wärmt sanft den Raum

für das schöne Liebesspiel.

Noch ahnt sie nichts von ihrem Los

und wähnt sich noch im Glücke

gibt ihrem Herzen einen Stoß

bricht hinter sich die Brücke.
 

Kein Wort der Reue, keine Sühne

vorbei ist nun das Russenleben

der Tanz, die Show, auf off' ner Bühne

wird neuen Sinn dem Leben geben.

Der Paß ist weg? Ach, kein Malheur

was brauch ich dieses Stück Papier

ich freu mich auf den Auftritt sehr

und werde tanzen wie ein Tier.
 

Doch Nadjas Augen werden groß

als man ins Tanzkostüm sie steckt

was ist das für ein Fetzen bloß

der nicht einmal den Po bedeckt.
 

Und auch der Busen, der schwebt frei

benetzt mit zarter Raffinesse

beim Drehen sieht man nebenbei

des drallen Fleisches nobler Blässe.
 

Oh nein - setzt Nadja sich zur Wehr

das könnt ihr doch nicht machen

auch hätt` ich keine Freude mehr

beim Tanz in diesen Sachen!

Ein heft" ger Schlag läßt sie verstummen

Angst und Schrecken macht sich breit

während sie im Kopf benommen

zwängt man sie ins kurze Kleid.
 

Vor Angst, man würde sie sonst killen

fügt sich Nadja der Gewalt

ist den Männern stets zu Willen

und verliert den letzten Halt.

Nadja muß viel Leid erdulden

statt der erhofften neuen Liebe

läßt kommen sie sich was zu Schulden

so gab es für sie nur noch Hiebe.
 

Nach Jahren schwerster Pein und Qual

war Nadjas Körper mehr als siech

man ließ ihr keine and`re Wahl

und schickt sie auf den Straßenstrich.

Gepeinigt, ausgeschunden, leer

die Welt ist so verlogen

gibt`s letztlich keinen Ausweg mehr

bleibt nur der Griff zu harten Drogen.
 

Auch Nadja wählte diesen Schritt

in ihren Augen längst kein Glanz

sie folgt dem Tode Tritt für Tritt

und kein Gedanke mehr dem Tanz.

Schließlich war es dann soweit

vorbei war Nadjas schlimme Not

nach all den Jahren Schrecklichkeit

erlöst sie gnadenvoll der Tod.
 

Nadja hieß das schöne Mädchen

aus dem kalten Russenland

glücklich war sie in dem Städtchen

wo ihr Rad zum Spinnen stand.


Franz J. Stiefsohn

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