Sie sind hier: Startseite > Meine Gedichte > Von Wadelbeißern und anderen Tieren

Von Wadelbeißern und anderen Tieren

Von Wadelbeißern und anderen Tieren

Es ist bei uns ein Offizier
noch nach wie vor ein hohes Tier.
Respekt und Würde sind ihm eigen,
wird demutsvoll das Köpfchen neigen
wenn höh`re Tiere ihm erscheinen
um neue Tugenden zu einen.

Zum Beispiel "Untertänigkeit",
"Gehorsam" und "Verschwiegenheit"
und nicht zuletzt - ich bin vermessen -
das Wichtigste nicht zu vergessen:
die Form der "Willenlosigkeit"
bringt manche Herren ziemlich weit.

Doch ist es traurig allemal
das manches mal von Fall zu Fall
ein hohes Tier nicht ganz bescheiden
lässt seine Untergeb 'nen leiden.

Der Anlassfall -jetzt keine Lüge-
verdiente rechtens eine Rüge.


Am Botschaftstag, bei großer Hitze
riss er vom Kopf die grüne Mütze,
ein trocken Haupt war sein Bestreben
um Akne keine Chance zu geben.
Denn Akne, wie ein jeder weiß,
entsteht auch durch Beamtenschweiß.

So kann die Wimmerflut am Hirn
den Polizisten stark verwirr'n
und schlägt sich letztlich aufs Gemüt
was ihm privaterseits dann blüht.

Die vielen, vielen Eiterpatzen
läßt die Einsamkeit schnell wachsen
und das weibliche Geschlecht
speiübel abzieht vom Gefecht.
Kann man den Schaden an der Psyche
nicht so messen wie die Brüche
- oder Bandscheibenvorfall-Leiden -
soll man trotzdem Schäden meiden,
weil dann ein „dummer“ Polizist
behördlich keine Hilfe ist.

Rüge zwei lag auf der Hand
und schuld war eine graue Wand,
an welcher nun mit voll Entzücken
der Polizist rieb seinen Rücken.

Er "lehnte" - hieß es später schroff -
am Zaun mit seinem Hemdenstoff.
Gewiss - es zeigt kein schönes Bild davon
und grenzt vielleicht auch noch an Hohn,
doch möcht ich hier und jetzt erwähnen:
Der Beamte tat nicht „lehnen“ !
Nein, nein! Ganz was and`res war im Spiel
und Schmerzbefreiung hieß sein Ziel.
 

Vom Schmerz, den sicher viele kennen,
wenn' s anfängt, hint' im Kreuz zu brennen
und abströmt schließlich in das Bein,
hinterlistig, bös, gemein!
Der Sportarzt hat dem Ärmsten dann
erstellt ein Monster-Sport-Programm.
Dazu gehören -jetzt sind wir dort-
die Dehnungsübungen vor Ort.

Man stellt den Fuß von kurzer Dauer
und vollem Drucke gen die Mauer,
dehnt den Muskelapparat ...
worauf sich' s auch schon wieder hat.
Nur 2 Minütchen, nicht viel mehr -
doch hilft es dem Beamten sehr.
 

Und justament gerade hier
fährt nun vorbei ein Offizier.
Er fährt vorbei - wie wahr, wie wahr
und krümmt dem Polizist kein Haar.
Ein guter Mann? Und tolerant?
Ein Offizier mit Hausverstand?
Die Tugenden - die viel zu selten -
mögen für den Herrn noch gelten?

Mitnichten! Leider Gottes nein -
so wahrte er den faulen Schein,
der Tadel folgt im rüden Ton
so mutig stark am Telefon -
dem Beamten, den`s betraf?
Nein, nein - es war ein andr'es Schaf
vom mittlern Managment - na klar -
den zu dögeln geht ja wunderbar.

Und dann erfuhr aus drittem Mund
endlich jener Mann den Grund
dem der Tadel letztlich galt -
so schließt sich diese Reihe halt.

Was lernt der Mensch aus diesem Fall?
Ob Leutnant, Oberst, General
auch hohe Tiere haben Makel.
Ob Schäferhund oder nur Dackel
zeigt sich erst bei solchen Fällen
die uns unsr' en Dienst vergällen.
Zu diesem Herrn - wie soll's auch sein -
fällt mir nur "Wadelbeißer" ein!

Franz J. Stiefsohn

Meine Bilder

Diverse Werke

sehen Sie mehr...

Meine Gedichte

Zum Unterhalten

sehen Sie mehr...

Meine Biografie

Über mich

sehen Sie mehr...

Powered by HOSTING ISHF